Meine Intentionen
Ich habe lange überlegt, ob ich einen Blog erstellen soll und mich nach diversen Reisen nun doch dazu entschlossen, meine Erinnerungen zu verewigen. Wenn man nach einem Auslandsaufenhalt in sein Heimatland zurückkehrt, bleiben größtenteils schöne Erinnerungen zurück, die aber mit der Zeit verblassen, durch den alltäglichen Stress in den Hintergrund rücken.
Da ich in den drei Monaten sicher einiges erleben werde und das Land nicht nur von der Seite eines Touristen kennenlernen darf, lasse ich euch an meinem Leben hier teilhaben und hoffe, dass durch den Blog meine Erinnerungen niemals verblassen :)
Ich bin ein Mensch, der ständig auf Zack ist, auf der Suche nach neuen Abenteuern und Reisezielen. Ein Lebenlang auf einem Fleck verbleiben? Unvorstellbar!
Seit Jahren träume ich davon, einen längeren Aufenthalt im Ausland verbringen zu dürfen. Mein Ziel: Kapstadt. Schon lange begeistert vom afrikanischen Kontinent - der Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt, verschiedener Kulturen, atemberaubender Landschaften uvm. Spätestens nach meinem Kenia Aufenthalt im September 2013 wusste ich, dass ich mehr sehen und erleben will.
Da ich aufgrund meines Studiums ein Praktikum belegen muss, stand für mich fest - es geht dafür nach Kapstadt. Außerdem werde ich nach meinem Praktikum für weitere drei Wochen das Land mit meinem Liebsten erkunden. Da wir in den drei Wochen sehr viel unterwegs sein werden, werde ich versuchen, jeden Tag hier niederzuschreiben.
Nun bin ich schon seit über sechs Wochen hier und kann mir nicht mehr vostellen, diesen schönen Fleck Erde wieder verlassen zu müssen.
Let the Journey begin
Da ich zuvor noch nie in Kapstadt war, hatte ich nur eine grobe Ahnung von dem, was mich erwartet. Man liest Reiseführer, macht sich im Internet schlau über Reisehinweise und -warnungen.
Ich las Dinge wie "Kapstadt - eines der kriminellsten Städte der Welt." Ich dachte mir, es muss vieles übertrieben dargestellt sein.
Ich mietete mir ein Zimmer im Studentenviertel "Observatory" über eine Studentenorganisation, und mir war zunächst etwas flau im Magen, als ich erfahren hab, dass Obs (wie es die Einheimischen liebevoll nennen) keine besonders sichere Gegend sei. Die Mieten sind allerdings günstig, also
beschloss ich, den Versuch zu wagen.
Meine Ankunft
Nach meiner insgesamt 22 stündigen Anreise (Hamburg-Dubai-Kapstadt) und einer einstündigen
Wartezeit zur Passkontrolle, war ich endlich am Freitagmorgen am Ziel angelangt.
Von einem Fahrer der Organisation wurde ich in mein neues Zuhause gebracht. Mit mir hausen hier 5 weitere Studenten/Praktikanten aus aller Welt. Die meisten von ihnen leben hier, wie ich, nur einige Monate. Zunächst heißt es für mich: Gewöhnen ans WG-Leben - Bad teilen, Küche teilen, an die
Unordnung gewöhnen und merken, dass ich meinen Perfektionismus, was die Sauberkeit angeht, nun
um einiges zurückschrauben muss. Es begeistert mich allerdings auch, so viele Menschen aus der
ganzen Welt kennenlernen zu dürfen und sich auszutauschen, neue Freundschaften zu schließen und die Vielfalt Kapstadts gemeinsam zu entdecken.
Mein erstes Wochenende begann mit einem Hike zum
Lions Head. Die Wanderung habe ich mir definitiv einfacher vorgestellt. Ich dachte mir: " Das wird ein netter Spaziergang." Ich wurde eines Besseren belehrt :) Der Hike beginnt mit einem etwa 20-30 minütigen Pfadaufstieg, gefolgt vom Klettern (u.a. mit Hilfe von Leitern und Ketten, die an den Felsen befestigt waren, um den Aufstieg
zu erleichtern). Nach ca. einer Stunde wird man dafür mit einen der schönsten Aussichten belohnt, die ich je gesehen habe. Der Blick über den Atlantik sowie der gesamten Stadt - Atemberaubend! Seit diesem Tag gehe ich nun mindetestens einmal die Woche hiken - ein perfektes Workout und ein unglaublicher Ausblick - was gibt es Schöneres?
Ein weiteres Highlight dieses Wochenendes war die
Old Biscuit Mill in Mowbray
- ein Foodmarket mit Speisen aus aller Welt und für alle Nachkatzen - Schokolade, Schokolade, Schokolade. Man kann dort alles probieren und sich so schon mal satt essen ;)
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| Old Biscuit Mill - Foodmarket |
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| Lions Head |
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| The Top of Lions Head |
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| Blick auf den Signal Hill bei Nacht |
Aber ich bin ja nicht nur wegen des Vergnügens hier: Am Montag begann mein erster Arbeitstag -ich arbeite in einer Klinik für Suchterkrankungen in Kenilworth, einem netten kleinen Vorort in Kapstadt. Die Klienten allerdings kommen überwiegend aus Holland hierher, um ihre 2-3-monatige Behandlung anzutreten (meist inkl. Entzug). Ein spannendes Gebiet der Psychologie, indem ich sehr viele neue Erfahrungen sammeln kann inkl. der 12 Steps to Recovery, die es in Deutschland so nicht gibt.
Da ich wochentags lange arbeiten muss, bleiben mir oft nur die Wochenenden, um Kapstadt zu erkunden. Die Wochentage verbringe ich weitestgehend damit, mich als "Einheimische" zu fühlen und alltägliche Dinge zu tun, wie einkaufen gehen, Freunde im Café treffen, den Sonnenuntergang mit einem Glas Wein genießen, Sport etc.
Für einen schönen und romantischen Ausflug nach Feierabend eignet sich hier besonders der
Signal Hill. Hier kann man ungestört den Sonnenuntergang mit Blick auf die gesamte Stadt genießen.
Während der Woche treffen sich außerdem Studenten aus aller Welt in den zahlreichen Bars in Obs. An der berühmten Lower Mainroad reiht sich eine Bar an die Nächste, gefolgt von Restaurants und Cafés. Am Wochenende kann man an der Lower Main Rd morgens wunderbar frühstücken gehen und die Seele baumeln lassen.
Außer der Lower Mainroad hat Obs ansonsten wenig zu bieten und wer auf der Suche nach einer sicheren und schönen Umgebung ist, ist hier sicherlich falsch. Der Vorort ist geprägt von Armut und Kriminalität. Demnach kann ich meine Recherchen, die ich vor der Reise unternommen hab, diesbezüglich bestätigen. Einbrüche in Häuser und Autos sind hier leider keine Seltenheit und je länger ich hier lebe, und je mehr ich von dem Rest der Stadt entdecken konnte, desto unsicherer fühlt es sich an, hier zu wohnen. Aber genau das spiegelt die Realität wider - Apartheid hat nun mal leider seine Spuren hinterlassen und die Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß wird sehr schnell deutlich.
Highlights der letzten 6 Wochen
Nun bin ich schon seit über 6 Wochen in Kapstadt und ich habe längst noch nicht alles gesehen, was diese Stadt (und Umgebung) zu bieten hat - denn das ist eine ganze Menge!
Kapstadt hat z.B. eine Menge wunderschöner Strände zu bieten.
Eins der weniger schönen Strände ist, für mich persönlich,
Muizenberg, aber aufgrund der berühmten bunten Häuschen einen Besuch auf jedenfall Wert. Für Surfer ist Muizenberg ein beliebter Treffpunkt. Haiangriffe sind dort aber leider keine Seltenheit. Somit habe ich mich kurzerhand entschlossen, dass Surfen lernen erstmal beiseite zu schieben, nachdem einen Tag vor unserem geplanten Surftrip ein Haiangriff in Muizenberg stattgefunden hat.
Simons Town war für mich persönlich aufgrund des Eintrittsgeldes, das für den kurzen Strandabschnitt erhoben wurde, eher enttäuschend. Allerdings wurden wir trotzdem mit einigen neugierigen Pinguinen und ihren Neugeborenen belohnt, die uns erstaunlich nah kamen. Durch einen Zufall entdeckten wir auf dem Rückweg Flossen im Meer und staunten nicht schlecht, als wir 4-5 Wale sahen. Ein unglaublicher Moment, diese riesigen Säugetiere zu sehen. Es gab mir einen Moment des Freiseins und der Bestätigung, dass Natur so schön sein kann, wenn man sie nur lässt.
Der nächste Strand auf meiner Liste ist der
Bloubergstrand - mit dem Table Mountain im Hintergrund und diversen Bars und Restaurants an der Promenade, ein toller Treffpunkt an warmen Tagen.
Mein Lieblingsstrand allerdings befindet sich in
Camps Bay. Umgeben von vielen schönen Villen und den 12 Aposteln (den Bergen) im Hintergrund. Ich liebe es, mich dort zu sonnen und zu entspannen. Und ja, eigentlich befinden wir uns hier gerade mitten im Winter. Aber bei 20-28 Grad im Winter will ich mich mal nicht beschweren :D
Direkt neben dem Camps Bay befindet sich
Clifton, das durch Felsbuchten in 4 Strände unterteilt ist. Das Wasser im Atlantik ist sehr kalt, aber bei einer Außentemperatur von 28 Grad ist diese Abkühlung dann doch gerne mal für mich willkommen :)
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| Simons Town |
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| Pinguine in Simons Town |
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| Muizenberg |
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| Camps Bay |
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| Bloubergstrand |
Wer auf Picknick im Grünen und auf Spaziergänge nicht verzichten will, sollte dem
Botanical Garden in
Kirstenbosch auf jedenfall einen Besuch abstatten. Der Eintritt kostet R45, man kann dort den gesamten Tag verbringen um dem Alltagsstress zu entfliehen. Die Ausblicke sind grandios. Sogar eine Riesenschildkröte lief uns über den Weg ;) Der botanische Garten ist riesig und von einer schmalen Brücke hat man einen noch viel besseren Ausblick über Kapstadt. Wer dennoch nicht aufs Hiken verzichten will: Es gibt von Kirstenbosch aus verschiedene Trials, um den Table Mountain zu besteigen. Ich glaube, wir haben uns dabei den schwierigsten Trial ausgesucht, denn plötzlich befanden wir uns am Wasserfall und hatten keinen Pfad mehr, den wir entlang laufen konnten. Also bestiegen wir den Berg ca. zwei Stunden lang, bis wir, umgeben von zahlreichen Riesenspinnen und dornigem Gebüsch, fast am Ziel angekommen, aufgaben und beschlossen, wieder zurückzukehren, bevor die Dunkelheit aufbrach.
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| Kirstenbosch Botanical Garden |
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| Table Mountain |
Ein weiteres Highlight bisher war für mich das
Sanboarding auf den Dünen in Atlantis, ca. 50km von Kapstadt entfernt. Da ich vorher noch nie Snow- oder Sandboarden war, fiel ich beim ersten Versuch,den Berg runterzurasen, natürlich gleich unglücklich hin, aber dank des weichen Sandes war es halb so schlimm. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und der sportliche Aspekt war somit auch erfüllt :D.
Vorletzten Freitag entschieden wir uns, nach Hout Bay zu fahren. Dort gibt es jedes Wochenende ebenfalls einen Food- und Shopping Market, der sogenannte
Bay Harbour Market. Freitag abends ab 17 Uhr spielt dort eine Live Band und die Atmosphäre ist wirklich toll. Man trifft dort sehr viele Menschen, isst und trinkt gemeinsam, oder schlendert durch die vielen Shopping Stände. Das Ganze endet um 21 Uhr.

Da ich gerne so viel wie möglich unternehme in meiner Freizeit und auch gerne mal aus Kapstadt rausfahren will, habe ich mich nach 3 Wochen entschieden, mir ein Auto zu mieten. Da ich zur Arbeit mit dem Zug fahren musste und dieser eher nach der afrikanischen Zeit fährt (also oftmals mit bis zu 30min Verspätung ;)), ist es definitiv eine gute Investition gewesen. Ich habe für wenig Geld einen alten City Golf bekommen. Ich musste mich also nicht nur ans links fahren gewöhnen, sondern ebenfalls an den Gedanken im Hinterkopf, jeden Moment auf der Straße liegen zu bleiben. Und so ist es dann auch nach nur einer Woche auf dem Weg zur Arbeit geschehen. Aber mit der Hilfe eines netten Menschen kam ich noch pünktlich zur Arbeit und nach 3 Stunden bekam ich bereits ein Ersatzauto (ebenfalls einen Schrotti :D). Gott sei dank, er fährt noch!
Da Südafrika bekannt für seinen Wein ist, konnte ein Besuch in der ältesten Weinregion
Groot Constantia natürlich nicht fehlen. Constantia ist außerdem eines der nobelsten Wohnviertel Kapstadts. Umgeben vom Tafelberg und dem Weingut, eignet sich ein Ausflug nicht nur für die Weinprobe, sondern auch, um die Natur drum herum zu erkunden und die Ruhe zu genießen.
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| Groot Constantia |
Letzten Samstag konnten wir uns dann endlich aufraffen und somit haben wir beschlossen, den
Tafelberg zu erklimmen. Diesmal haben wir eine kürzere, aber steilere Route genommen, um hoch hinaus zu kommen. Es war anstrengend. Verdammt anstrengend. Insgesamt hat es ca. 1 1/2 Stunden gedauert, bis wir am Tafelberg angekommen sind. Aber was soll ich sagen - der Ausblick belohnt! Zum krönenden Abschluss haben wir uns dann doch entschieden, selbst
herunter zu hiken, statt die Cable Car zu nehmen. Somit haben wir nicht nur R110 Rand gespart, sondern können auch stolz auf uns sein, einen weiteren Schritt für die Fitness getan zu haben :)
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| The Top of Table Mountain |
Dieses Wochenende wurde es dann endlich Zeit für einen Road Trip zum
Cape of Good Hope Nature Reserve, was
sich etwa 60km von Kapstadt befindet. Das Reservat nimmt den gesamten
südlichen Teil der Kaphalbinsel ein und ist ca. 8000 ha groß. Um zum
Reservat zu kommen, entschieden wir uns für eine längere Strecke und
fuhren über den
Cheapman's Peak Drive. Dies ist eine neun
Kilometer lange Küstenstraße mit einem atemberaubenden Ausblick. Man
fährt über viele Kurven, hat links von sich steile Felswände und rechts
das Meer. Allerdings muss man für die Strecke eine Mautgebühr pro Auto
bezahlen, was sich aber durchaus lohnt!
Angekommen am Cape of
Good Hope, machten wir erstmal eine Fotopause an den berühmten "Cape of
Good Hope Schildern". Gott sei Dank befinden wir uns gerade nicht in der
Hauptsaison, und somit liefen uns nicht so viele Touristen über den Weg
(normalerweise steht man sonst einige Zeit für ein Foto an, da dort
viele Touristenbusse Halt machen ;)) Auch Strauße begeneten uns auf dem
Weg.
Anschließend wanderten wir über die Felsen und Buchten
und bekamen einige wunderschöne Ausblicke zu Gesicht. Wir liefen zum
Cape Point über einen steilen Pfadweg und genossen die Aussicht auf das
Meer und einige Wale an einem der vielen Schluchten. Es war ein toller
Tag!
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| Cheapman's Peak Drive |
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| Cape of Good Hope |
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| Cape Point |
Und da nicht alles im Leben so schön sein kann, habe ich mir erstmal nach dem Wochenende eine schöne Magen-Darm-Grippe eingefangen ;) Somit wird die Woche wohl sehr ruhig für mich bleiben.